Aus einem beschädigten Fass tritt Säure aus

Artikel aus der Filder-Zeitung vom 25.10.2010 (Online-Ausgabe)
Leinfelden-Echterdingen. Der Gefahrgutzug aus L.-E. ist für den Filderraum zuständig und hat den Ernstfall geprobt. Von Gabi Ridder
Es passiert immer wieder: Am Flughafen tritt an der Kühlanlage Ammoniak aus; in den Hallenbädern von Neuhausen und Bernhausen strömt Chlor in die Luft; in Aich kippt ein Tanklaster um. Für diese und weitere Gefahrgut-Unfälle im Filderraum ist der Gefahrgutzug aus Leinfelden-Echterdingen zuständig. Das Fahrzeug ist mit Spezialpumpen, -schläuchen und Messinstrumenten ausgestattet, und der Umgang damit will gelernt sein. Am Samstag hat die Truppe den Ernstfall geprobt.
Um 13 Uhr geht der Alarm in Echterdingen ein. Im Industriegebiet Stetten auf dem Hof der Firma Bloching steht ein Container. Drin sind mehrere Fässer mit Säure. Einer dieser Behälter läuft aus. Fünf Minuten später ist das erste Fahrzeug zur Stelle. Die Feuerwehrleute stülpen sich den Atemschutz über. Eine zweite Gruppe stellt die Chemikalien-Schutzanzüge bereit: Stiefel, Anzug, Handschuhe und Kopfbedeckung. Der Trupp läuft los und entdeckt noch Schlimmeres. Der Container leckt, die Säure fließt bereits in einen Gully. Glücklicherweise liegen die Frachtpapiere bereit.
Längst ist das Gelände in einem Radius von 50 Metern gesperrt. Weitere Sonderfahrzeuge sind eingetroffen. Sie versorgen die Einsatzstelle mit Strom, stellen Behälter für die Dekontamination des Angriffstrupps bereit, führen dicke Bücher mit Hinweisen auf Säuren, Laugen, brennbare Flüssigkeiten und chemische Stoffe mit sich. Der Trupp holt Werkzeug, dichtet das Leck am Container und die beiden Gullys ab, misst den Säuregehalt und steigt schließlich in den Container. Die Fässer werden in Behälter umgeladen, die Säure in weitere Behälter umgepumpt. Schließlich werden die Anzüge grob gereinigt, vorsichtig ausgezogen und in Behältern verschlossen.
"Werden wir zu einem Brandeinsatz gerufen, sind wir nach zwei Minuten löschbereit. Bei Gefahrgutunfällen ist die Vorlaufzeit viel länger", erläutert Carsten Stierle, der Pressemann der Leinfelden-Echterdinger Feuerwehr. Allein bis die Anzüge angelegt sind und festgestellt ist, was ausläuft, vergehen etliche Minuten. Aber der Schutz der Männer geht vor. Und Stierle ist zufrieden: "Soweit ich beobachten konnte, haben die Einsatzkräfte mit Umsicht gehandelt. Bedächtigkeit ist in diesen Fällen ganz wichtig."
Seit etwa 20 Jahren gibt es den Gefahrgutzug in der Stadt. Die zweiwöchige Ausbildung absolvieren die Einsatzkräfte in der Landesfeuerwehrschule. Intern werden sie auch geschult, theoretisch und praktisch. Zweimal im Jahr werden große Übungen angelegt. "Wenn Grundkenntnisse vorhanden sind, tut man sich leichter", sagt Uwe Maier, der Abteilungskommandant aus Stetten.
Drei solcher Gefahrgutzüge gibt es im Landkreis Esslingen. In Leinfelden-Echterdingen sind 40 Mann ausgebildet. "Wir haben zwei Einsatzgebiete: kreisweit sämtliche Straßen und die gesamten Industriegebiete. Zwar gibt es vor Ort keine Firmen, die Gefahrgut produzieren, aber damit zu tun haben", sagt Stierle. Zum Beispiel sei um die Ecke der Künstlerbedarf Boesner angesiedelt und somit jede Menge Lack.

Dietmar Flasch, 25.10.2010
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Carsten A. Stierle
Pressesprecher
Freiwillige Feuerwehr
Leinfelden-Echterdingen
www.FEUERWEHR-LE.de
