Sturmtief "Xynthia": Mehr als 50 Menschen sterben (28.02.2010)

Artikel aus der Stuttgarter Zeitung vom 01.03.2010 (Online-Ausgabe)
Offenbach - Das Orkantief "Xynthia" hat eine Schneise der Verwüstung durch Westeuropa gezogen und mindestens 54 Menschen in den Tod gerissen. In Frankreich kamen 45 Menschen vor allem bei Überschwemmungen an der Atlantikküste ums Leben, wie das Innenministerium nach einer Krisensitzung am Sonntagabend mitteilte. Die Zahl der Opfer könnte aber auf bis zu 50 steigen. Die Regierung kündigte Nothilfe-Kredite und Steuererleichterungen an. In Deutschland starben mindestens fünf Menschen, meist durch umstürzende Bäume. Insgesamt vier Opfer meldeten auch Spanien und Portugal. Der Orkan erreichte in Spanien einen Rekord von 228 Stundenkilometern.
In Deutschland wüteten die bis zu 166 Kilometer schnellen Böen am heftigsten in Hessen, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Im südhessischen Biblis wurde ein Zweijähriger in einen Fluss geweht und konnte nur noch tot geborgen werden. Im Schwarzwald kam ein 74-jähriger Autofahrer ums Leben, bei Wiesbaden ein 69 Jahre alter Wanderer. In Nordrhein-Westfalen starben eine Joggerin und eine Autofahrerin. Der Sturm richtete Millionenschäden an.
"Xynthia" forderte mehr Menschenleben in Europa als die zerstörerischen Orkane "Lothar" (1999) und "Kyrill" (2007). Die Europäische Union erklärte sich zur Hilfe bereit. Die EU-Kommission werde Unterstützung für die am meisten betroffenen Länder prüfen, erklärte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso in Brüssel. Demnach sind Zahlungen aus dem EU-Solidaritätsfonds möglich.
Chaos im Reiseverkehr
Der Sturm richtete bundesweit große Schäden an. Orkanböen entwurzelten Bäume, deckten Dächer ab und wirbelten Baustellenteile durch die Luft. Im Reiseverkehr brach ein Chaos aus: Züge standen still, Flüge fielen aus, Straßen waren blockiert. Reisende müssen auch am Montag mit Beeinträchtigungen rechnen. Nachdem in einigen Regionen der Zugverkehr eingestellt wurde, stehen nach Angaben der Bahn viele Züge nicht dort, wo sie am Montag gebraucht werden.
In ganz Nordrhein-Westfalen ruhte der Verkehr auf den Schienen am Abend. Die Polizei in NRW rückte bis 20 Uhr zu fast 5000 sturmbedingten Einsätzen aus, mindestens 28 Menschen erlitten Verletzungen. "Auf den Autobahnen sieht es grausam aus", sagte ein Polizeisprecher. Die Feuerwehr in Iserlohn sprach von "Kyrill II". Der Orkan hatte im Januar 2007 eine Schneise der Verwüstung durch Europa geschlagen. In Düren stürzte ein Kirchturm ein.
In Frankfurt/Main wurde die A3 gesperrt. In der Stadt waren der Hauptbahnhof und der Bahnhof am Flughafen vorübergehend geschlossen. Bis zum Abend fielen fast 250 Flüge aus. "Es ist alles im Einsatz, was fahren und laufen kann", sagte ein Polizeisprecher in Frankfurt. Bis zu 20.000 Menschen waren in Hessen von Stromausfällen betroffen. In Rheinland-Pfalz fiel in einigen Orten der Strom aus.
ICE stand stundenlang auf freier Strecke
Aus Sicherheitsgründen war die Geschwindigkeit vieler Fernzüge gedrosselt worden. Ein Intercity-Express mit etwa 800 Reisenden saß nach einer Kollision mit einem entwurzelten Baum stundenlang auf freier Strecke zwischen Fulda und Hanau fest. Ein ICE auf dem Weg von Berlin nach Basel strandete in Göttingen. Im Saarland stellte die Bahn den Regionalverkehr komplett, in Rheinland-Pfalz fast ganz ein.
Viele Straßen Baden-Württembergs waren von entwurzelten Bäumen blockiert. Im Raum Stuttgart fiel der Bahnverkehr aus, ein Ersatzverkehr über die zum Teil verwüsteten Straßen war nicht möglich. Bei Würzburg in Bayern erlitt ein Mann schwere Quetschungen, als er im Sturm die Arretierung eines Krans lösen wollte.
Thüringen meldete am frühen Abend Stromausfälle und Straßensperrungen. Bei Eisenach wurde eine Mittelleitplanke einfach umgeweht. "Man sollte nicht denken, dass so etwas geht", sagte ein Polizeisprecher. Für die Nacht rechneten die Meteorologen auch in Sachsen und Sachsen-Anhalt mit orkanartigen Stürmen. Im südlichen Niedersachsen meldete die Polizei "Notrufe im Sekundentakt".
"Xynthia" sei ein Sturmtief, "wie man es nicht jedes Jahr hat", sagte Meteorologe Peter Hartmann vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach. Die höchste Windgeschwindigkeit in Deutschland wurde nach DWD-Angaben mit 166 Kilometern pro Stunde am 557 Meter hohen Weinbiet bei Neustadt/Weinstraße (Rheinland-Pfalz) gemessen.
"Meteorologische Bombe"
In Spanien, wo die Wetterexperten von einer "meteorologischen Bombe" gesprochen hatten, erreichte "Xynthia" die Rekordgeschwindigkeit von 228 Stundenkilometern. Der am Samstag gegen 21 Uhr in der baskischen Kleinstadt Orduña gemessene Wert liegt noch über den 213 Stundenkilometern, die Jahrhundert-Orkan "Lothar" 1999 im Schwarzwald erreichte - den bislang höchsten Wert seit Beginn der wissenschaftlichen Wetterbeobachtung Ende des 19. Jahrhunderts.
In Frankreich hatten eine Million Einwohner keinen Strom. An den Küsten habe der Wind eine Geschwindigkeit von bis zu 150 Stundenkilometern erreicht, berichtete der Sender France- Info. Präsident Nicolas Sarkozy sprach den Angehörigen der Opfer seine Anteilnahme aus und wollte am Montagvormittag mit mehreren Ministern die am schlimmsten beschädigten Regionen besuchen. Am Sonntagnachmittag gab es beim Premierminister François Fillon ein Krisentreffen. Wirtschaftsministerin Christine Lagarde appellierte an die Versicherungen, so schnell wie möglich Entschädigungen zu zahlen.
In zahlreichen Orten in der Nähe von La Rochelle stand das Wasser bis zu 1,50 Meter hoch in den Straßen. Air France strich etwa 100 von insgesamt 700 Flügen am Pariser Flughafen Charles de Gaulle. In den Pyrenäen stürzten Felsbrocken auf die Straßen. Die Grenze zu Spanien wurde zeitweise geschlossen.
In Portugal und Nordspanien hatte "Xynthia" zuerst getobt und vier Menschenleben gefordert. In Spanien starben zwei Männer, als ihr Auto gegen einen umgestürzten Baum prallte. Eine 82-jährige Frau wurde von einer Mauer erschlagen. Im Norden Portugals tötete ein abbrechender Ast einen zehnjährigen Jungen. In Nordspanien unterbrachen umgestürzte Bäume die Stromversorgung für 130.000 Haushalte.



Sturm im Südwesten: "Xynthia" fordert Todesopfer (28.02.2010)

Artikel aus der Stuttgarter Nachrichten vom 01.03.2010 (Online-Ausgabe)
Stuttgart - Blockierte Bahnstrecken und Straßen, demolierte Autos: Das Sturmtief "Xynthia“ hat am Sonntag auch in Baden-Württemberg erhebliche Schäden angerichtet und den Verkehr auf Schienen und Straßen teils erheblich gestört.
Im Schwarzwald wurde ein 74 Jahre alter Autofahrer getötet, als ein Baum auf der Schwarzwaldhochstraße bei der Gemeinde Feldberg auf sein Fahrzeug stürzte. Die 69-jährige Ehefrau auf dem Beifahrersitz überlebte schwer verletzt. Bis Sonntagabend sagten die Meteorologen für den Norden und Westen von Baden-Württemberg schwere Sturmböen bis zur Orkanstärke voraus.
Bahnverkehr lahmgelegt
Auf der Hauptbahnverbindung zwischen Stuttgart und Mannheim fuhr nach Angaben eines Bahn-Sprechers über mehrere Stunden kein Zug mehr, weil von einer nahe gelegenen Baustelle in Stuttgart-Zuffenhausen wiederholt Baumaterial auf die Schienen geweht wurde.
Auch der S- Bahnverkehr wurde massiv beeinträchtigt. Bei Horb (Kreis Freudenstadt) fiel ein Baum auf die Gleise und legte den Verkehr auf der wichtigen Strecke von Stuttgart nach Zürich lahm.
Zu Störungen kam es durch den Sturm auch auf einigen Nebenstrecken im Südwesten. Auf den übrigen Strecken fuhren die Züge, aber sie hatten infolge der Störungen andernorts teils beträchtliche Verspätungen.
Fans sitzen im Stadion fest
Auf dem Bodensee wurde der Katamaranverkehr zwischen Konstanz und Friedrichshafen eingestellt. In Karlsruhe bekamen die Fußballfans die Folgen des Sturmtiefs hautnah zu spüren. Beim Zweitliga-Fußballspiel 1. FC Kaiserslautern gegen Karlsruher SC konnten sie zeitweise das Stadion nicht verlassen.
Starke Windböen brachten vor dem Stadion Bäume zum Umfallen, die mehrere Autos zerstörten. Die Polizei sperrte daraufhin die Ausgänge und forderte die Zuschauer auf, ihre Plätze nicht zu verlassen.
Warnung vor Waldspaziergängen
Ein Sprecher des Agrarministeriums warnte vor Spaziergängen in den Wäldern. Er sagte, es sei mit einigen Schäden im Forst zu rechnen, weil die Böden aufgeweicht sind und die Bäume derzeit nicht stark verwurzelt sind.
Ebenfalls gesperrt wurden infolge umgestürzter Bäume mehrere Kreis- und Landesstraßen im Kreis Freudenstadt sowie die Bundesstraße 294 bei Elzach (Kreis Emmendingen) und eine Landesstraße im Kreis Reutlingen. Auch die Autobahn 5 in der Nähe von Rastatt war betroffen. Dort stürzte ebenfalls ein Baum auf die Fahrbahn, die Polizeiangaben zufolge aber nicht gesperrt werden musste. Auf der Autobahn zwischen Karlsruhe und Frankfurt war der Verkehr durch umherfliegende Gegenstände wie Verkehrsschilder beeinträchtigt.



Pressemitteilung Polizei Esslingen 28.02.2010

Landkreis Esslingen, 28.02.2010, 13.00 – 17.30 Uhr, Unwetterschäden
Zahlreiche Einsätze hatten die Beamten der Polizeidirektion Esslingen am Sonntagmittag zu bearbeiten. In dem angegebenen Zeitraum gingen annähernd 100 Anrufe in der Notrufzentrale ein, bei welchen Schäden in Bezug auf das Sturmtief gemeldet wurden. Im gesamten Kreisgebiet wurden zahlreiche Bäume entwurzelt und blockierten Straßen. Baustelleneinrichtungen
stürzten um, Dächer wurden zum Teil abgedeckt und Verkehrseinrichtungen
beschädigt. Bei insgesamt 7 witterungsbedingten Verkehrsunfällen wurde 1
Person leicht verletzt. Der Sachschaden hielt sich mit 7900 € in Grenzen. Durch umherfliegende Teile wurde eine größere Anzahl von Fahrzeugen beschädigt. So stürzte in Kirchheim, an der Ecke Limburgstraße – Dettinger Straße, in Baum auf einen Pkw Porsche. Der Schaden wird allein hier mit 12000 € angegeben.
Der Verkehr auf der B 10, zwischen Esslingen-Mettingen und Esslingen-Stadtmitte, war zeitweise behindert, da neben der Straße liegendes Holz von Baumschnittarbeiten auf die Fahrbahn geweht wurde. In Neuffen-Kappishäusern musste vorübergehend die K 1241 gesperrt werden, da von einem Gebäude Dachziegel auf die Fahrbahn fielen. Nach Sicherungsarbeiten durch die Feuerwehr konnte die Straße halbseitig wieder freigegeben werden.
Die bislang bei der Polizei bekanntgewordenen Schäden belaufen sich auf ca. 80.000 €. Die Flurschäden und die polizeilich nicht bekannten Schäden dürften jedoch um ein vielfaches höher liegen.



Schäden und Behinderungen: Sturm-Tief Xynthia fegt über die Region Stuttgart hinweg (28.02.2010)

Artikel aus Stuttgart Journal.de vom 01.03.2010 (Online-Ausgabe)
Sturm-Tief Xynthia fegt über die Region Stuttgart hinweg. Das Orkantief Xynthia hat gestern auch in Stuttgart den Bahnverkehr am Stuttgarter Hauptbahnhof lahm gelegt. So waren am Sonntagnachmittag Fahrgäste auf dem Stuttgarter Hauptbahnhof festgesessen, nachdem in Stuttgart-Zuffenhausen Baumaterial von einer benachbarten Baustelle auf die Gleise geweht wurde, und die Strecke zwischen Stuttgart und Mannheim komplett gesperrt werden musste.
Im Landkreis Esslingen verzeichnete die Feuerwehr mehr als 60 Einsätze durch umgestürzte Bäume, heruntergefallene Dachziegel oder umgefallene Bauzäune. Die bislang bei der Polizei bekanntgewordenen Schäden belaufen sich auf ca. 80.000 €. Die Flurschäden und die polizeilich nicht bekannten Schäden dürften jedoch um ein vielfaches höher liegen.



16 Einsätze für die Brandschützer: Sturmtief Xynthia beschäftigt Feuerwehr (28.02.2010)

Artikel aus der Filder-Zeitung vom 02.03.2010 (Online-Ausgabe)
L.-E./Filderstadt (ths). Das Sturmtief Xynthia hat die Feuerwehr am Sonntag unterschiedlich stark beschäftigt. Die Feuerwehr L.-E. musste fünf Mal ausrücken, davon viermal in Leinfelden und einmal in Echterdingen. Die Brandschützer sprachen trotzdem von einem "verhältnismäßig ruhigen Nachmittag". Ihre Kollegen in Filderstadt hatten mehr als doppelt so viele Einsätze. Am schwersten betroffen waren die Stadtteile Bonlanden, Harthausen und Plattenhardt. Dort drohten Bäume auf Häuser zu stürzen. Die Einsatzkräfte haben alle Gefahren schnell beseitigt.



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