"In letzter Minute eine Rumpf-Feuerwehr rekrutiert - Für freiwillige Brandschützer wären permanente Einsätze im Messebetrieb eine Nummer zu groß"

Stuttgarter Nachrichten - Kreisausgabe Esslingen, Samstag, 16. Juni 2007 Seite I Ausgabe: Nr. 137 Filder-Zeitung
Leinfelden-Echterdingen. Mit der Blechexpo ist am Samstag bereits die zweite Messe in den neuen Hallen am Flughafen zu Ende gegangen. Lange Zeit war indes unklar, wer bei provisorisch laufendem Messebetrieb eigentlich für den Brandschutz zuständig ist.
Von Thomas Braun
Zwar hat das Regierungspräsidium Stuttgart die Betreibergesellschaft Landesmesse Stuttgart (LMS) im Planfeststellungsbeschluss vom März 2003 zur Schaffung einer Werksfeuerwehr verpflichtet. Doch die sollte eigentlich erst zum offiziellen Messestart im Herbst ihren Dienst antreten. Nicht abschließend geregelt wurde allerdings offenbar die Frage, wer bis zur erst für Oktober 2007 geplanten Eröffnung der Ausstellungswelt zuständig ist, falls auf dem Areal ein Feuer ausbricht oder sich andere tatsächliche oder vermeintliche Katastrophen ereignen. Nach Angaben von Insidern ist die installierte Sicherheitstechnik in den Hallen nämlich so gut, dass mitunter schon übermäßiger Schweißgeruch einen Alarm auslösen kann.
Das ist einerseits beruhigend für Besucher und Beschäftigte, stellt aber andererseits etwa die freiwillige Feuerwehr der Markungsgemeinde Leinfelden- Echterdingen vor ein Problem. "Wir können mit unseren 200 Einsatzkräften aus vier Stadtteilen auf Dauer nicht auch noch umfangreichen Schutz für das Messegelände gewährleisten", sagt der örtliche Stadtkommandant Werner Kuttler, "das wäre eine überdimensionierte Aufgabe." Während der mehr als zweijährigen Bauphase freilich lag die Verantwortung auf den Schultern von Kuttlers Einsatzkräften. Für einen Einsatz bei Messebetrieb aber sieht Kuttler Grenzen für die ehrenamtlichen Feuerwehrleute: "Da müssen jetzt Profis ran."
Auf der Suche nach einer, wie es heißt, "kostengünstigen Lösung" hatte die Messe zunächst mit dem Flughafen über eine Zusammenarbeit im Bereich des Brandschutzes verhandelt. "Wir haben aber schnell erkannt, dass das Gefahrenpotenzial des Flughafens sich von dem unseren deutlich unterscheidet. Wenn wir uns da angehängt hätten, wäre uns das deutlich teurer gekommen", erläutert Messesprecher Thomas Brandl. Sein Kollege vom Stuttgarter Flughafen, Volkmar Krämer, bestätigt ebenfalls Gespräche, die Messeverantwortlichen hätten sich dann aber "anders entschieden".
Unversehens lag somit der Ball wieder im Feld der Leinfelden-Echterdinger Feuerwehr. Doch weil sich die örtlichen Brandschützer mit der Aufgabe überfordert sahen, drängten sie für die Dauer der Messen Minat und Blechexpo auf eine andere Lösung. Dass eine eigene Messeschutztruppe nötig ist, die im Ernstfall innerhalb von drei Minuten vor Ort sein und die Gefahr richtig einschätzen soll, zeigt sich schon daran, dass dem Vernehmen nach seit dem inoffiziellen Betriebsbeginn mehrere dutzend Fehlalarme und Kleinstvorfälle registriert worden sein sollen. Stadtkommandant Kuttler: "Dafür können meine Leute nicht jedes Mal im Beruf alles stehen und liegen lassen." Am Standort Killesberg war die Messe noch von der Stuttgarter Berufsfeuerwehr mitbetreut worden.
Gerade noch rechtzeitig hat man bei der Messegesellschaft reagiert: Das Gerüst der Messe-Betriebsfeuerwehr steht, einige hauptamtliche Sicherheitskräfte wurden rechtzeitig vor dem inoffiziellen Auftakt rasch eingestellt, die von Freiwilligen und weiteren Sicherheitsbediensteten unterstützt werden. Sogar ein Fahrzeug sei angeschafft worden. Messesprecher Brandl: "Da waren die Kollegen vor Ort noch schneller, als ich gedacht habe." Ihre Zuständigkeit endete nach Brandls Angaben mit Abschluss der Blechexpo - vorübergehend darf nun wieder die freiwillige Feuerwehr von Leinfelden-Echterdingen bis zur endgültigen Fertigstellung der Messelandschaft die Verantwortung übernehmen. Bis zum offiziellen Eröffnungsspektakel am dritten Oktoberwochenende soll die Messewehr komplett einsatzbereit sein.
Für den Fall der Fälle bieten sowohl Flughafenwehr als auch die ehrenamtlichen Kollegen aus Leinfelden-Echterdingen den Löschprofis auf der Messewache auch während des regulären Messebetriebs die "nachbarschaftliche Löschhilfe" an. Werner Kuttler freilich macht eine wichtige Einschränkung: "Wir kommen, wenn"s brennt. Alles andere ist nicht mehr unser Bier."

-> Bericht über die Hauptübung auf der Neuen Landesmesse am 12.05.2007
